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Vernehmlassungsantwort zur Zulassung zu den Fachhochschulen

Vernehmlassungsantwort zur „Verordnung des Hochschulrates über die Zulassung zu den Fachhochschulen“– Stellungnahme von swissfaculty

Sehr geehrte Damen und Herren

swissfaculty, die Dachorganisation der Dozierenden der drei Hochschultypen, bedankt sich bei der Schweizerischen Hochschulkonferenz SHK für die Einladung zur Vernehmlassung über die Verordnung des Hochschulrates zur Zulassung zu den Fachhochschulen und nimmt wie folgt Stellung:

Allgemein: swissfaculty unterstützt diese Verordnung.
swissfaculty begrüsst die Überführung der geltenden übergangsrechtlichen Zulassungsregelungen in eine Verordnung, die diese bündelt und regelt.

Anmerkungen zu Artikel 8 Absatz 1 und 2: Herausforderungen bei den Arbeitswelterfahrungen
Unsere Äusserungen betreffen die spezifischen Herausforderungen bei den Passerellen, die die Durchlässigkeit für potenzielle Studierende erschweren.

Die «koordinierte Durchlässigkeit» zwischen den unterschiedlichen Bildungseinrichtungen ist, auch für swissfaculty, ein wesentliches Ziel der Hochschulbildung entsprechend dem Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz (HFKG) Artikel 12, Absatz 3.

swissfaculty unterstützt die in Artikel 8 Absatz 2 beabsichtige Festlegung der Lernziele als Kompetenzenkataloge. Insbesondere befürworten wir die gemeinsame Koordination der Kompetenzenkataloge von Fachhochschulen und Berufsverbänden.

Die bisherigen Erfahrungen verweisen auf zwei Problembereiche:

  1. Praktikantinnen und Praktikanten mit einer gymnasialen Maturität benötigen eine nicht zu unterschätzende Sozialisationsphase in der Arbeitswelt.
  2. Fehlende Praktikumsangebote begrenzen die Durchlässigkeitsoptionen. Studieninteressierte mit einer gymnasialen Maturität wie auch Studienabbrecherinnen und -abbrecher der Universitäten und ETH habe Mühe, zu den angestrebten Studien passende Praktikumsplätze zu finden.

Aufgrund der notwendigen Betreuungsressourcen ist die Bereitstellung von Jahrespraktikumsplätzen für viele Unternehmen eine Belastung. Die Einarbeitungsphase dauert relativ lange und qualifiziertes Personal muss für die Betreuung eingesetzt werden, was vor allem für KMU nicht leistbar ist.

Es zeigt sich z.B. in der Technik, dass Maturandinnen und Maturanden in der Regel drei Monate Zeit benötigen um einen Praktikumsplatz zu finden. Nicht selten handelt es um Kompromisslösungen, da die Plätze nicht den in Artikel 8 Abs. 1 definierten Anforderungen entsprechen.

Konjunkturelle Einbrüche, wie die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Wirtschaftskrise, dürften den Mangel an adäquaten Praktikumsstellen weiter akzentuieren.

swissfaculty regt daher einerseits an, Anreize für Firmen zur Bereitstellung hochwertiger Praktikumsplätze zu schaffen. Andererseits schlägt swissfaculty eine Flexibilisierung des Praktikumszeitpunkts vor.

Arbeitswelterfahrung als Austritts- statt Eintrittsbedingung

swissfaculty schlägt vor, den Zeitpunkt des Praktikums zu flexibilisieren, indem es nicht als Vorbedingung für das Studium an der Fachhochschule verlangt wird, sondern während des Studiums absolviert werden kann. In der Regel könnte das Studium nach dem vierten Semester Regelstudium für die einjährige Arbeitswelterfahrung unterbrochen werden, um anschliessend nach zwei weiteren Semestern das Studium mit dem Bachelor abzuschliessen.

Einschlägige Erfahrungen mit einem Praktikumssemester an deutschen Fachhochschulen verweisen auf einige Vorteile:

  • Aufgrund des Kompetenzerwerbs während der vier Semester an der Fachhochschule steigen die Chancen, eine passende Praktikumsstelle zu finden, da der Mehrwert für die Unternehmen zunimmt.
  • Den gymnasialen Maturandinnen und Maturanden fehlen oft konkrete Vorstellungen über die Anforderungen an das Studium und das Berufsbild. Sollte sich die Studienwahl als ungeeignet erweisen, so würde sich der Abbruch weniger im Praktikum ereignen und die Ausbildungsunterbrüche wären weniger einschneidend.
  • Die Fachhochschulen profitierten im letzten Ausbildungsjahr von der zeitnahen Praxiserfahrungen der Studierenden. Eine berufsorientierte Planung der fachlichen Vertiefung würde erleichtert, was wiederum den Unternehmen nützt.

swissfaculty dankt für die Möglichkeit, zur Vorlage Stellung nehmen zu dürfen, und bittet Sie um Berücksichtigung unserer Anliegen.

Freundliche Grüsse

swissfaculty

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